Mietpreisbremse – (un)effektiv?

Aus einer Studie von ImmobilienScout24 ging Anfang Juli hervor, dass die Mieten in Berlin stadtweit um 3% gesunken seien. Viele haben die Studie als positiven Effekt der Mietrechtsnovellierung interpretiert.

Eine Ende Juli veröffentliche Studie von Empirica relativiert das Ergebnis. Zwar treffe es zu, dass die Angebotsmieten stadtweit gesunken seien, allerdings sei dies stark an die Regionen gekoppelt, in denen vermehrt Wohnungen angeboten wurden. Die Zahlen würden deshalb so positiv ausfallen, weil die angebotenen Wohnungen in weniger populären Bezirken günstiger geworden sein. In den Zentrumsbezirken blieben die Mieten konstant bzw. stiegen im Fall von Mitte leicht an.

Dennoch: weder die Studie von ImmobilienScout24 noch die von Empirica lassen vernünftige Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Mietpreisbremse zu. An dieser Stelle sollte betont werden, dass die Verordnung MietpreisBREMSE und nicht MietpreisRÜCKWÄRTSGANG heißt. Mietpreissteigerungen von bis 10% sind immer noch möglich. Dass es zu einem kurzen Einbruch auf dem Mietmarkt kam, ist jedoch bemerkenswert. Eine Erklärung wäre die geringe Fluktuation in den Bezirken mit verhältnismäßig hohen Mieten. Somit könnte die Angebotslage bei günstigeren Wohnungen im Vormonat überwogen haben.

Die Studie von Empirica wiederum ist ebenfalls nicht auf die Goldwaage zu legen. Dass das Nachrichten-Portal haufe.de die Studie als „Mietpreisbremse verfehlt Wirkung“ auslegte, ist blanker Populismus. Der Anspruch war nie, fallende Mieten zu provozieren, sondern ein konstantes Niveau zu halten. Nach den großen Paketverkäufen der letzten Jahre wäre es niemandem zuzumuten, jetzt mit den Mieten radikal nach unten zu gehen. Jeder Kapitalanleger müsste nun panisch seine Immobilie verkaufen, wenn dies das erklärte Ziel wäre.

Außerdem wird sich der positive Effekt der Mietpreisbremse in Zukunft nicht nur an konstanten Mieten zu beweisen haben, sondern auch daran, ob trotz sinkender Renditen für institutionelle Investoren der Neubau voran getrieben werden kann. Die innovative Kraft des Marktes, aus jeder Hürde einen Zierbogen zu machen, sollte doch vor allem nicht von Gegnern der Preisbremse verneint werden? Schon jetzt haben sich viele Projektentwickler für Quartiere mit einem gemischten Verhältnis von Sozial-, Miet- und Eigentumswohnung ausgesprochen. Das ist nicht nur reine Imagepflege. Weniger all inclusive Komfort, wie zum Beispiel Luxusbäder, Designer-Küchen oder ein Concierge, bedeutet weniger Bauleistung und somit sinkende Quadratmeterpreise. Hinzu kommt, dass eine ausgewogene soziale Struktur in der Innenstadt den Lifestylfaktor am Leben erhält. Wann waren sie das letzte Mal in Paris?

Von | 2015-08-04T15:31:37+00:00 4. August 2015|Stadtperspektiven|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Thomas 14. September 2015 at 10:45 - Reply

    Die Meinungen zu diesem Thema sind immer wieder sehr unterschiedlich, dennoch glaube ich dass die Mietpreisbremse ein ganz wichtiger Schritt war. Wie sich das ganze jetzt tatsächlich entwickeln wird, wird die Zeit zeigen.

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