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Wohnen & Leben 4.0

Heute schon den Smartphone-Timer mit dem Firmenkalender synchronisiert? Im Wetter-Widget geschaut, ob der abendliche 10 km-Lauf mit dem Wearable im Schnee stattfindet oder im Regen? Über Uber, car2go oder carsharing den Weg zur Arbeit am Frühstückstisch geplant? Oder brauchen Sie für den Sommerurlaub 2016 noch einen neuen Reisepass und haben Ihren Termin beim Bürgeramt online gebucht. Die Schnittstelle zwischen physischem Alltag und digitalen Endgeräten bestimmt zunehmend unser Leben. Dabei haben sich die Geräte beinahe lautlos in unseren Alltag integriert, ohne dass wir selber einen großen Aufwand betreiben mussten, sie zu verstehen.

Doch was am Normalbürger – ohne großes Interesse an cyper physical systems (CPS) bzw. Internet of Things (IoT) – vorbeigeht: Nicht nur Ihr Smartphone ist smart, manche Autos sind es bereits sowie Häuser, Büros, technische Haushaltsgeräte oder Produktionsanlagen. Der Plan von amazon.com zukünftig mit Drohnen zu liefern ist schon ein paar Jahre alt und heißt, dass der Versand autonomer stattfindet, sprich ohne weiteres menschliches Zutun. Schon heute hat amazon.com teilweise automatisierte Logistikzenter, bei denen selbstständig fahrende Roboter die Laufarbeit übernehmen. Die Automatisierung ist nur ein Teilstück des Zukunftspuzzles. Der wirklich smarte Prozess ist die Beurteilung der physischen Realität durch Messinstrumente, die Weitergabe der Daten an eine Verarbeitungssoftware und die Ausgabe durch eben jene Automaten. Smart im engeren Sinne sind Geräte, die Entscheidungen treffen und daraufhin einen Output produzieren, der auf individuellen Daten basiert.

Das sogenannte smart oder e-home gehört zu den Anwendungsfeldern, die mit CPS und IoT verbunden sind. Vor Jahren einmal ging Bill Gates Haus um die Welt. In ihm waren beinahe alle Geräte und Menschen miteinander vernetzt. Zuerst denkt man bei smart homes an die bequemen Aspekte wie Licht-, Multimedia- oder Sicherheitssteuerungen über das Smartphone oder Voreinstellungen. Schon heute können Sie die Heizung in Ihrer Wohnung über das Smartphone steuern. Aber mittlerweile geht es nicht mehr nur um Fernsteuerung, es geht darum, dass Geräte und Software die physische Umgebung erkennen und auswerten können. Relevante Erfolge gibt es bereits bei der Steuerung und dem Monitoring des Energieverbrauchs. Geräte schalten sich von alleine ein und aus bzw. regulieren sich selbst, abhängig davon, ob gerade jemand im Raum ist, welche Uhrzeit ist oder ob draußen die Sonne scheint. Wem das schon eine Spur zu extravagant ist, der werfe einen Blick auf smart health. Im Haus installierte Gesundheitssysteme können die Körperfunktionen überwachen und im Notfall Freunde, Verwandte, einen vorprogrammierten Hausarzt oder den Krankenwagen rufen. Barcodescanner in Kühl- und Vorratsschränken ermitteln den Füllstand und erstellen automatisch Einkaufslisten, die Sie dann nur noch im Supermarkt abrufen müssten. Oder, um noch einmal das Beispiel mit amazon.com aufzugreifen: Sie bestätigen nur noch die Einkaufsliste, die Daten werden dann an ein Warenhaus übermittelt und ein Logistikunternehmen bspw. ein Drohnenlieferservice liefert zum vereinbarten Zeitpunkt. Keine Milch für den Frühstückskaffee?! Das könnte Ihnen mit dem smart home nicht mehr passieren.

Das Entscheidende für die Zukunft wird sein, ob und wie wir die Daten des smart homes stückweise in reale Arbeitsprozesse integrieren. Dem haftet natürlich der fade Geschmack der Preisgabe persönlicher Daten an. Die Frage ist also, wie verantwortungsbewusst werden wir in Zukunft als Unternehmer oder Angestellter mit Kundendaten umgehen.

Die gesammelten Wohnungsdaten könnten in der Hausverwaltung beispielsweise ein hilfreiches Instrument sein. Fehlerquellen wie der Heizkessel würden Schäden eigenständig an die Heizungsfirma weiterleiten, noch bevor die Mieter den Verwalter kontaktieren. Der Verwalter müsste den Auftrag dann nur noch bestätigen. Lesen, nach links swipen* und fertig ist der ganze Arbeitsschritt. Zudem könnten Verschleiß und Abnutzung prognostiziert werden und damit freies Investitionskapital aufgedeckt und nötiges überblickt werden. Ein Barcode an den Mietsachen würde die Kommunikation mit dem Verwalter erleichtern. Einfach den Code vom zerbrochenen Fenster einscannen und Verwalter, Glaser und ggf. die Versicherung sind über alles im Bilde. Vergleichsportale würden dann den besten Glaser im Preis- und Ökologievergleich ermitteln. Zukunftsmusik, denn die entsprechende Datenverarbeitungsinfrastruktur fehlt, sprich die effiziente Vernetzung von Alltag und Software. Perspektiven für eine Hausverwaltung 4.0 sind aber gegeben. Sollte sich die Software einmal falsch entscheiden, einfach widersprechen. Noch ignoriert sie einen nicht, wie der Computer HAL 9000 aus Kubricks Space Odyssee 2010.

Der nächste Schritt ist die smart city. Ein ganzheitliches Städtekonzept, bei dem die Integration der Daten immer wichtiger wird. Sind etwa Verbraucherdaten wie zum Beispiel der Lebensmittelstand in Wohnungen und logistischer Transport miteinander vernetzt, könnte der Verkehr optimaler geregelt werden. Das würde die Lärm- und Feinstaubelastung minimieren und damit die Wohnqualität in Städten steigern. Je sicherer und respektvoller in Zukunft die Verarbeitung personenbezogener Daten vonstatten geht, je mehr Möglichkeiten wird es geben. Das Berliner (ex) Start-Up KIWI.KI hat ein elektronisches Schlüsselsystem entworfen, welches die Tür automatisch öffnet, sobald sich der Transponder in der Nähe befindet bzw. wenn sie mit der Smartphone-App entriegelt wird. Nicht nur etwas für Schusselköpfe, sondern auch die Müllabfuhr, den Postboten, Handwerker oder den mit dem Gesundheitssystem verbundenen Hausarzt. Schlüsselrasseln ist dann nur noch etwas für Schlossgespenster.

Zurzeit bemängeln IT-Spezialisten noch, dass die smarten Endgeräte viel zu leicht zu knacken seien. Das liege vor allem an der großen Nachfrage, die durch billige Produktion aufgefangen wird. In Folge der rasanten Entwicklung geben sich Entwickler schließlich keine Mühe, aufgetretene Sicherheitslücken durch Softwareupdates zu schließen. Der Lichtschalter wird zum Sicherheitsrisiko.

* gewischt, eine digitale Bestätigungsgeste und ein Wort, das es bestimmt bald in den Duden schafft.

Von | 2018-01-18T13:23:29+00:00 3. Dezember 2015|Stadtperspektiven|0 Kommentare

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