Berlin auf dem Weg Richtung Zukunft

Was wird aus Berlin? Wird die Stadt in den kommenden Jahren im internationalen Standortkampf mithalten können? Wagen wir es. Einen vorsichtigen und optimistischen Blick über das Jahr 2016 hinaus. Wir haben fünf Entwicklungen herausgesucht, die zukünftig eine hohe Relevanz haben werden und die bereits angeschoben sind: das Marketing und der gute Ruf, die Hinwendung zu IT-basierendem Gewerbe und Industrie, Ausbildung hoch qualifizierter Arbeitskräfte, digitale Infrastruktur und Verkehrskonzepte zur Steigerung des Lebenskomforts.

 

1) Während das hier geschrieben und gelesen wird, passiert einer der entscheidendsten Punkte: das Marketing. Die Bewohner und der Senat haben über Jahre an einem Berlin-Bild gebastelt, das zum Selbstläufer geworden ist. Unter den bei jungen Menschen beliebten Städten nimmt Berlin nach Toronto (Kanada) den zweiten Platz ein. Nun mag die Einschätzung nicht jeder teilen und schlimmer, man hat das Gefühl alle Welt lacht über Berlin, seine S-Bahn, seinen Flughafen, den Kleiderstil etc. Komischerweise lacht sie aber nicht über München oder Hamburg. New York, Paris oder London, das sind seit Jahrzehnten herausragende Städte mit einem stabilen Standing in Kultur und Wirtschaft und Berlin spielt in dieser Liga mit, nicht als Erste, aber immerhin.

2) Bei kreativ und lebenswert als alleinigem Standortvorteil wird es in Zukunft nicht bleiben. Berlin und seine jungen Unternehmer arbeiten hart am erweiterten Image der digitalen Stadt. Zahlreiche Studien und Handlungsempfehlungen belegen, dass Berlin nie wieder ein großer Industriestandort werden wird, das muss aber kein wirtschaftlicher Nachteil sein. Dieses Jahr überholte die hiesige Startup-Szene London beim Einholen von Risikokapital. Satte 1,4 Mrd. Euro in den ersten beiden Quartalen 2015. Das ist europaweite Spitze. In Zukunft konkurriert man mit dem Silicon Valley und der europäischen Dependance in Dublin (Facebook, Uber, Google).

3) Eng damit verknüpft ist die Etablierung Berlins als relevanter Wissensstandort. Dazu gehört vermehrt hoch qualifizierte Arbeitskräfte auszubilden. Obwohl in Deutschland Hochschulbildung kostenlos ist, liegt es im internationalen Vergleich der Akademikerrate extrem zurück. Grund dafür sind die rentablen und dualen Ausbildungsberufe, die ebenfalls ein hohes Maß an Qualifikation erfordern und an Berufsschulen gelehrt werden. Wenn aber in Zukunft die Automatisierung von Arbeitsprozessen einfache Arbeit überflüssig macht und komplexes Designen, Warten oder Bauen eben solcher Automaten einsetzt, braucht es immer mehr hoch qualifizierte Kräfte in Bereichen, die heute hauptsächlich an Universitäten und Fachhochschulen unterrichtet werden. Das zeigt eine Studie, die sich mit den Folgen der Automatisierung beschäftigt. Es geht also weniger um Wissenschaftler per se als um eine breite Schicht, die über das entsprechende Know-how für Zukunftstechnologien verfügt. Berlin entwickelt zurzeit mehrere Standorte, an denen Forschung und Wirtschaft im Verbund konzentriert werden sollen. Ziel ist die stärkere gemeinsame Etablierung von zukunftsorientierten Technologien wie IT, Umwelttechnik, Biotechnik oder Gesundheitsforschung und universitärer Forschung – und den Bedarf an hoch qualifiziertem Personal selbst auszubilden.

4) Die Ansprüche an die Infrastruktur der Stadt steigen durch diese Zielsetzung enorm an. Wer der IT-basierenden Industrie und Dienstleistung in der Stadt eine Perspektive geben will, der wird in Zukunft auch die nötige Infrastruktur ausbauen müssen. Dazu gehört eine flächendeckend stabile und schnelle Anbindung an stationäres und mobiles Internet. In den kommenden Jahren wird Berlin den sogenannten 5G-Standard als erste europäische Stadt einrichten und erproben. Dieser Ausbau ist für die Entwicklung der Stadt so wichtig wie einst die Aquädukte im alten Rom oder der Güterverkehr auf Schienen und wird ebensolche kulturhistorischen Dimensionen haben. Vollautomatisierung und digitalisierte Verkehrssysteme beispielsweise benötigen diesen Highspeed-Standard, um effektiv arbeiten zu können.

5) Genauso erheblich ist die Steigerung des Lebenskomforts in Berlin. So albern Forderungen wie Fahrradschnellwege dem einen oder anderen erscheinen mögen, die Erneuerung der Infrastruktur hin zu alternativen Formen des öffentlichen und privaten Personenverkehrs haben einen hohen Stellenwert bei den oben angesprochenen hoch qualifizierten Arbeitskräften. Projekte wie der Fahrradschnellweg zwischen Lichterfelde und dem Potsdamer Platz, wie er momentan geplant wird, tragen massiv zur Attraktivität der Wohnquartiere außerhalb des Zentrums bei. Berlin ist eine Fahrradfahrerstadt – schon wegen der flachen Topografie – und Bürgerinitiativen, der Senat und unabhängige Stadtplaner arbeiten an einem entsprechenden Mobilitätskonzept.

Von |2016-01-07T12:48:01+00:007. Januar 2016|Stadtperspektiven|0 Kommentare

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