Friedrichshagen – Winterspaziergang am Nordufer des Müggelsees

1753 als Kolonistendorf gegründet, entwickelte sich der Ort Friedrichshagen durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem beschaulichen Villenvorort Berlins und beliebten Ausflugsziel der Berliner. Wie damals beginnt der Spaziergang durch den heutigen Köpenicker Ortsteil am S-Bahnhof Friedrichshagen.

An Sonntagen lohnt sich ein Abstecher zum Kunst- und Trödelmarkt, der gleich nebenan stattfindet. An allen anderen Tagen flaniert man direkt die Bölschestraße hinunter, die vom S-Bahnhof auf den Müggelsee zu führt. Entlang der Lebensader Friedrichshagens finden sich kleine Boutiquen und Buchläden, Schockolaterien und Regionalläden mit Berliner und Brandenburger Spezialitäten. Und auch in architektonischer Hinsicht ist die Bölschestraße mit ihren sanierten Fassaden, die 200 Jahre Baugeschichte erzählen, ein kleines Highlight.

Der Weg die Bölschestraße hinunter führt vorbei am Kino Union, welches in seinem geschichtsträchtigen Gebäude auf Initiative vieler Friedrichshagener 2003 Wiedereröffnung feierte. Von den heutigen drei Sälen ist sicher der „Alte Saal“ mit den tiefroten, freistehenden Sesselgruppen und Cafétischen der eindrucksvollste und lädt dazu ein, einen Blick auf das abwechslungsreiche Film- und Veranstaltungsprogramm zu werfen.

Auch einen Blick wert: die kleinen Galerien rund um die Bölschestraße. Bis heute ist Friedrichshagen ein „Künstlerdorf“ mit ansässigen bildenden Künstlern, die im Sommer ihre Ateliers öffnen. Im Winter geht es etwas ruhiger zu, doch einige Galerien sind auch in der rauen Jahreszeit geöffnet. Kunstinteressierte können bspw. einen Abstecher zur Galerie Bild Plus (gleich hinter dem Kino links) machen.

Der Bölschestraße weiter Richtung Süden folgend, passiert die Route das 1899 eingeweihte, historische Rathaus Friedrichshagens, den Marktplatz, auf dem an vier Tagen die Woche die Marktstände stehen, und charmante Cafés, deren gelungener Mix aus Regionalität und internationalen ‚favorites‘ wie Pancakes und Bagels zu einem zweiten Frühstück verleiten.

Das Ende der Straße markiert ein weiterer architekturhistorischer Blickfang und Denkmal Friedrichshagener Geschichte: die 2010 geschlossene Brauerei der Berliner Bürgerbräu. Heute beherbergt das Industriebauwerk aus dem frühen 19. Jahrhundert eine historische Sammlung der Brauereigeschichte.

Der Spaziergang führt links daran vorbei ein kurzes Stück dem Müggelseedamm folgend zum Seebad Friedrichshagen. Hier wurde ein kleines Stück Filmgeschichte geschrieben als Regisseur und gebürtiger Friedrichshagener Leander Haußmann sowie Sänger und Schriftsteller Sven Regner das Strandbad zum Hauptschauplatz ihrer Komödie „Haialarm am Müggelsee“ auserkoren. Im Winter verwandelt sich das Strandbad zum Eisstrand und sorgt selbst bei milden Temperaturen für garantierte Wintersportfreuden bei Kindern und Erwachsenen. Die direkt am Seeufer gelegene Eisbahn wird zweimal täglich präpariert, Schlittschuhe können ausgeliehen werden, aufwärmen kann man bei Glühwein im Eis-Café mit Kaminzimmer. Am Nachmittag und bei klarem Himmel genießt man hier einen der ebenso spektakulären wie romantischen Sonnenuntergänge über dem See während die Kufen übers Eis gleiten.

Schlittschuhlaufen auf dem Müggelsee, Berlins größter natürlicher Eisfläche (Foto: Gisela Schmitz)

Wohl nur zu übertreffen durch eine Rutschpartie auf dem See selbst, wenn dieser in frostigen Berliner Wintern eine tragfähige Eisdecke hat. Dann sind bei Schnee auch die Müggelberge ein Muss: zwischen südlichem Müggelseeufer und dem kleinen, sagenumwobenen Teufelssee lässt es sich ausgiebig rodeln. Im Anschluss genießt man den Blick vom Müggelturm über das verschneite Berlin und Umland, der bei guter Sicht in westlicher Richtung bis zum Alexanderplatz und zum Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof reicht. Von Friedrichshagen kommend sind die Müggelberge gut zu Fuß zu erreichen: ca. eine Stunde dauert die Viertel-Seeumrundung, die mit der Passage des 1927 erbauten Spreetunnels beginnt und am westlichen Ufer entlang führt. Hier zeigt sich Treptow-Köpenick von seiner idyllischen Seite und lädt zwischen Wasser und Wald auch zum ziellosen Herumwandern ein.

Nach ausgiebiger Bewegung bietet sich zur abendlichen Stärkung die SpreeArche an. Unweit des Spreetunnels liegt das schwimmende Restaurant auf der Müggelspree und ist über einen eigenen Anleger mit Fährservice zu erreichen. Der besonderen Lage entsprechend, liegt der Fokus der saisonalen und regionalen Küche auf Fischspezialitäten. Kleines Manko: Im Winter beschränken sich die Öffnungszeiten auf das Wochenende und eine Reservierung ist Pflicht. Wer es spontaner mag, wird im ehemaligen Ortskern Friedrichshagens rund um die Bölschestraße fündig. So wartet bspw. ein echter Geheimtipp hinter der Christopheruskirche. Wer den 1903 fertig gestellten, neugotischen Backsteinbau umrundet, findet auf dessen Rückseite das Restaurant Zur Glocke. In der familiären Atmosphäre des kleinen Gastraums werden bürgerlich-deutsche Gerichte der wöchentlich wechselnden Karte serviert. Nur wenige Hausnummern entfernt, geht es im Kid Creole bei authentischer Cajun-Küche exotischer zu. Hier wärmen pikante Speisen mit südeuropäischen, westafrikanischen und karibischen Einflüssen den winterlichen Spaziergänger bevor er dem Berliner Kleinod – vielleicht schweren Herzens wie die Flaneure der Jahrhundertwende – den Rücken kehrt und sich nach gelungenen Stunden auf den Heimweg macht.

Tipp: Die Route des Kiezspaziergangs in unserer interaktiven Berlin-Karte

Von |2018-02-27T11:36:50+00:0020. Februar 2018|Stadtperspektiven|0 Kommentare

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